Netzwerkverkabelung im Wohngebäude – geplant, gemessen, dokumentiert

Eine feste Datenverkabelung ist eine Gebäudeeinrichtung wie Heizung und Beleuchtung — so steht es in der zugrundeliegenden Norm DIN EN 50174-1. Sie wird für die Nutzungsdauer des Gebäudes geplant, nicht für die nächste Gerätegeneration. Wir planen, verlegen, messen und dokumentieren sie nach dieser Norm.

Warum feste Verkabelung, wenn es doch WLAN gibt

WLAN ist ein geteiltes Medium. Die Leistung hängt von Wandaufbau, Nachbarnetzen und der Zahl der Teilnehmer ab, und sie schwankt. Eine Kupferstrecke der Klasse EA liefert 10 Gbit/s über 100 m — unabhängig davon, was im Haus sonst passiert.

Drei weitere Gründe, die in der Praxis schwerer wiegen als die Datenrate:

Fernspeisung. Access Points, Kameras, Türsprechstellen und KNX-IP-Komponenten werden über dasselbe Datenkabel mit Strom versorgt, nach IEEE 802.3bt bis 90 W. Ohne Kabel keine Fernspeisung — und damit kein Access Point an der Decke, wo er hingehört.

Lebensdauer. Die Verkabelung überdauert mehrere Generationen aktiver Technik. Der Router wird dreimal getauscht, das Kabel bleibt.

Anwendungsneutralität. Dieselbe Strecke trägt Netzwerk, Telefonie, Fernsehen über IP, Gebäudeautomation und Zutrittskontrolle. Das ist der Grundgedanke der Normenreihe DIN EN 50173: ein Verkabelungssystem für alle Dienste.

Und ein wirtschaftlicher Grund, der alles andere schlägt: Ein Meter Kabel im Rohbau kostet ungefähr 1,50 €. Dieselbe Strecke nachträglich kostet einen dreistelligen Betrag. Wenn Sie ohnehin bauen, ist jetzt der einzig sinnvolle Zeitpunkt.

Wie viele Anschlüsse braucht Ihr Haus

Die Ausstattungswerte nach DIN 18015-2 und RAL-RG 678 geben den Rahmen vor. Unsere Planungsempfehlung für den Neubau geht darüber hinaus, weil sich der Bedarf erfahrungsgemäß in eine Richtung entwickelt:

RaumEmpfehlung
Wohnzimmerzwei Doppeldosen — Fernsehwand und Sitzbereich
Arbeitszimmerzwei Doppeldosen
Schlaf- und Kinderzimmer, Kücheje eine Doppeldose
Flur je Geschossein Deckenauslass für den Access Point
Haustür, Garage, Terrasseje ein Kabel für Türstation und Kamera
Technikraumzwei Reserveleitungen für Wärmepumpe, Wechselrichter, Energiemanager

Die Norm formuliert es zurückhaltender, meint aber dasselbe: Die Zahl der Anschlusspunkte soll den voraussichtlichen Bedarf über die vorgesehene Nutzungsdauer abbilden. Im Zweifel eine Dose mehr.

Grundregel der Topologie: Jede Dose bekommt ihr eigenes Kabel zurück zum Wohnungsverteiler. Keine Verkettung, keine Abzweigdosen, kein Durchschleifen — das Punkt-zu-Punkt-Prinzip von Ethernet lässt es schlicht nicht zu. Wer Ihnen etwas anderes anbietet, hat die Anlage nicht verstanden.

Was wir verbauen

Verlegekabel Cat 7 S/FTP, AWG 23 — Reserve nach oben bei minimalem Aufpreis. Anschlusskomponenten Cat 6A, Keystone-Module mit umlaufender Schirmauflage. Gemessen und abgenommen als Klasse EA, Permanent Link.

Kabel und Verbindungstechnik stammen von aufeinander abgestimmten Systemanbietern. Die Norm verlangt dafür ausdrücklich eine Herstellerbestätigung — das billigste Modul am billigsten Kabel erfüllt die Klasse nicht, auch wenn beide einzeln „Cat 6A“ auf dem Aufdruck tragen.

Für die Brandklasse gilt in Wohngebäuden mindestens Dca-s2,d2,a2, in Rettungswegen von Mehrfamilienhäusern entsprechend höher. Jede Durchdringung einer Brandwand oder Wohnungstrenndecke wird mit einem zugelassenen Schottsystem wieder verschlossen — und zwar so, dass später nachinstalliert werden kann, ohne das Schott zu zerstören.

Der Verteiler — Standort entscheidet

Die Norm schließt bestimmte Aufstellorte aus: Küchen, Toiletten, Fluchtwege, überflutungsgefährdete Räume, Zwischendecken. Gefordert sind außerdem Freiraum an allen Zugriffsseiten, eine Belüftung für die aktive Technik und die Möglichkeit, später zu erweitern, ohne den Betrieb zu unterbrechen.

Praktisch bedeutet das im Einfamilienhaus: Hauswirtschafts- oder Technikraum, 19-Zoll-Wandschrank mit 9 bis 12 Höheneinheiten, in der Nähe des Zählerschranks für einen kurzen Potentialausgleichsleiter — aber in eigenem Gehäuse. Aktive Netzwerktechnik gehört nicht in den Zählerschrank: wegen der Wärme, wegen der elektromagnetischen Verträglichkeit und wegen der Zuständigkeitsgrenze zum Netzbetreiber.

Im Mehrfamilienhaus erhält jede Wohnung einen eigenen Wohnungsverteiler mit einer Doppelsteckdose auf eigenem Stromkreis, angebunden über eine Steigleitung vom Hausverteiler.

Fernspeisung sauber eingeordnet

Wo Access Points und Kameras über das Datenkabel versorgt werden, ist die Installation einer Fernspeisungskategorie zuzuordnen. Wir planen Wohngebäude durchgängig als Kategorie RP3 — das ist der universelle Ansatz und erspart Ihnen die laufende Stromüberwachung, die die niedrigeren Kategorien verlangen. Am Verteiler bringen wir das nach Norm vorgeschriebene Schild mit der Kategorie an.

Messung und Abnahme — der Teil, den kaum jemand liefert

Neunzig Prozent aller Messfehler entstehen auf den letzten fünf Zentimetern: beim Absetzen des Mantels, beim Auflegen der Adern, beim Schirmkontakt. Deshalb wird nicht gehofft, sondern gemessen.

Wir arbeiten nach Qualitätsstufe 3: hundert Prozent aller Strecken werden gemessen, über alle Übertragungsparameter — Rückflussdämpfung, Einfügedämpfung, Nahnebensprechen, Fernnebensprechen, Schleifenwiderstand, Laufzeit und Laufzeitdifferenz. Gemessen wird als Permanent Link, nicht als Channel, weil nur die Installationsstrecke die Reserve für spätere Patchkabel enthält.

Das Messgerät hat ein gültiges Kalibrierzertifikat, und dessen Status steht in jedem Protokoll. Grenzwertnahe Ergebnisse behandeln wir nach der Empfehlung der Norm: ein knappes Bestehen wird angenommen, ein knappes Nichtbestehen wird abgelehnt und nachgebessert. Das ist vorher vereinbart und beendet jede Diskussion am Übergabetag.

Ihr Übergabepaket:

  • Messprotokolle aller Strecken, Klasse EA, Permanent Link
  • Bestandsplan mit Dosen- und Panelbelegung sowie Kabelwegen
  • Fotodokumentation der Leitungswege vor dem Verputzen, mit Maßstab im Bild
  • Leistungserklärungen der eingesetzten Kabel
  • Beschriftung an Dose, Kabel und Panelport nach einheitlichem Schema
  • Einweisung sowie zwei Reserve-Patchkabel und zwei Reservemodule

Nachrüsten im Bestand

Ohne Leerrohre wird es aufwendiger, aber selten unmöglich. Übliche Wege sind Installationskanäle entlang der Sockelleiste, Führung über den Dachboden oder den Kellerflur, Kernbohrungen zwischen den Geschossen und die Nutzung stillgelegter Kaminzüge. Wir sehen uns das vor Ort an und sagen Ihnen ehrlich, was geht und was nicht. Wo eine Strecke nicht sinnvoll herzustellen ist, ist ein zusätzlicher Access Point die bessere Lösung als ein schlechtes Kabel.

Was kostet das

Im Aufmaßtermin ermitteln wir die tatsächlichen Strecken und geben Ihnen einen Festpreis.

Häufige Fragen

Cat 6A, Cat 7 oder Cat 8?add

Wir verlegen Cat 7 als Kabel und setzen Cat 6A als Anschlusskomponenten ein, gemessen als Klasse EA. Cat 8 ist für Rechenzentrums-Kurzstrecken gedacht und im Wohnhaus ohne Nutzen.

Reicht nicht ein einzelnes Kabel pro Raum?add

Es reicht, bis das zweite Gerät kommt. Eine Doppeldose kostet in der Rohbauphase kaum mehr als eine einfache — der zweite Anschluss besteht im Wesentlichen aus einem zweiten Modul.

Können Strom- und Datenkabel im selben Schlitz liegen?add

Rechnerisch reicht bei geschirmten Datenkabeln neben wenigen Stromkreisen ein sehr kleiner Abstand. Gute fachliche Praxis ist trotzdem: getrennte Rohre, Kreuzungen im rechten Winkel, niemals gemeinsam abgebunden. Zu Frequenzumrichtern — etwa der Wärmepumpe — halten wir mindestens 130 mm Abstand.

Wie lang darf eine Strecke sein?add

Die fest installierte Strecke maximal 90 m, mit Patchkabeln auf beiden Seiten maximal 100 m. Im Einfamilienhaus praktisch nie ein Thema, in Mehrfamilienhäusern mit langen Steigleitungen schon.

Bekomme ich die Messprotokolle wirklich?add

Ja, als PDF und ausgedruckt. Sie sind Teil des Auftrags, nicht Aufpreis.

Passende Leistungen

Sie haben ein konkretes Vorhaben?

Schildern Sie uns kurz, worum es geht. Sie erhalten an Werktagen innerhalb von vier Stunden eine Rückmeldung – und nach dem Aufmaßtermin ein Festpreisangebot, in dem jede Position einzeln aufgeführt ist.